Februar 2011
Am Morgen nach einen fantastischen Frühstück steht Veer mit neuem Programm für uns bereit. Ehrlich, man hat uns vorgewarnt, dass die Reise anstrengend wird und wir uns viel zu viel vorgenommen haben, aber wir wollten es nicht glauben. Mittlerweile sind wir so mit Informationen vollgestopft, dass wir kaum noch aufnahmefähig sind.
Als erstes ändern wir das Programm. Den Punkt City Palace streichen wir – wir hatten genug Paläste, sei er auch noch so sehenswert. Das Amber-Fort müssen wir laut unserem Guide aber unbedingt sehen und außerdem steht uns noch die Attraktion „Elefantenritt“ bevor.
Schon die Anfahrt zum Fort beschert uns einen gigantischen Blick. Wir müssen zugeben, es ist wirklich gewaltig, noch größer als das Mehrangarh-Fort in Jodhpur.
Dass sich auch hier enorm viele Touristen einfinden, wissen wir spätestens, als wir aus dem Auto aussteigen und sofort von einer Traube fliegender Händler umringt sind, die uns alle ihre Waren aufdrängen wollen. Wir schaffen es, uns relativ ungeschoren in die Schlange der auf einen Elefantenritt Wartenden zu reihen, nur um gleich von den nächsten Händlern bedrängt zu werden, die jedes Zeichen von Unentschlossenheit mit einer perfiden Zermürbungstaktik bestrafen. Sie lassen einfach nicht nach!
Endlich sind wir außer Reichweite und der Elefant naht. Nur noch eine knappe Stunde in der Sonne ausharren.
Eigentlich wollte ich das nicht, habe mich aber überreden lassen … Okay, es war eine Erfahrung, die ich nicht noch mal machen muss.
Diese Tiere hier und ihre Führer haben gerade Pause. Es wird streng darauf geachtet, dass es den Elefanten gut geht und sie nicht überstrapaziert werden.
Diese hier warten auf ihre Fahrgäste, die auf ein unglaublich bequem aussehendes Bett klettern – und dann Mühe haben, sich bei dem Geschaukel festzuhalten! Und dann geht es in geordnetem Marsch den steilen Weg hinauf zum Ford. Ehrlich gesagt, war ich letztendlich dankbar für diese Fahrgelegenheit. Der Weg hinauf war lang und beschwerlich.
Besonders übers Ohr gehauen fühlen wir uns, als unser Elefantentreiber kurz vor dem Endpunkt auf ein Trinkgeld besteht (und das, obwohl überall angeschlagen steht „No tip please“ – Kein Trinkgeld!) und wir das Gefühl haben, dass er uns erst absteigen lassen würde, wenn er es erhalten hat. Tourismus lässt grüßen oder, wie meine Mitreisende es ausgedrückt hat, „das gierige Indien schlägt zu“.
Wir erfahren von unserem Palast-Guide, dass Jaipur eine sehr reiche Stadt ist, weil der damalige Herrscher Man Singh sich nicht nur mit den muslimischen Nachbarn gut gestellt, sondern auch gleich dort eingeheiratet hat (ich weiß, man liest auch die umgekehrte Version, dass nämlich der Großmogul Akbar eine Hindu-Prinzessin aus Amber geheiratet hat, aber die Version unseres Fort-Guides passt besser zur Fortsetzung). Man Singh unterstützte Akbar bei seinen Kriegszügen und hatte ausgehandelt, dass Akbar das eroberte Land bekommt und Man Singh die erbeuteten finanziellen Mittel, also Geld und Edelsteine. So wurde aus Amber eine der reichsten und friedlichsten Provinzen Rajasthans. Und aufgrund dieser Hochzeiten finden sich in Jaipur und insbesondere im Fort viele Zeichen muslimischer Kunst und Architektur. Es war mal wieder ein sehr aufschlussreicher Vortrag, von dem wir aber nicht mal einen Bruchteil behalten haben.
Auf unserem Abstieg von der Burg kommen wir an einem Schlangenbeschwörer vorbei. Er sitzt mit Flöte und Kobra in der Sonne. Veer will wissen, ob ich Schlangen mag. Ja, eigentlich mag ich Schlangen, aber eine Kobra würde ich nicht unbedingt anfassen. Er meint, das sei kein Problem, der Schlangenbeschwörer hätte der Kobra längst das Gift entzogen und ich könnte sie ruhig anfassen. Gegen ein kleines Trinkgeld ist der Schlangenbeschwörer auch bereit, mich mit dem Tier spielen zu lassen. Die Kobra ist wirklich ein schönes Exemplar und lässt sich zunächst bereitwillig streicheln, aber nach ein paar Minuten fängt sie an zu zischeln und ich denke, es ist wohl besser, sie in Ruhe zu lassen.
Von der Burgzinne aus hat man einen fantastischen Blick in die nähere Umgebung und ich wäre gerne noch ein bisschen in der Sonne stehen geblieben, um den Blick in das Tal und auf die umliegenden schroffen Felsen weiter zu genießen.
Aber Programm ist Programm …
Mitten in Jaipur steht ein weiterer Palast, den wir uns eigentlich viel schöner vorgestellt haben. Es ist das fünfstöckige Hawa Mahal – der Palast der Winde, der seinen Namen den 953 Gitterfenstern in der Fassade verdankt. Er steht mitten in der Altstadt von Jaipur, umringt von kleinen Ladenlokalen, die es so schon seit dem 16. Jahrhundert gibt – erzählt man uns.
Der Hochzeitsausstatter
Aber Jaipur ist nicht nur die Hauptstadt Rajasthans, sondern auch Modehauptstadt. Hier lassen alle bekannten Marken arbeiten, ob Gucci oder Versace oder wie sie alle heißen.
Es ist unfassbar, welche Fülle an Waren hier angeboten wird. Ich vermute ja, hier ist man vor allem auf Touristen eingerichtet. Aber wer auf Shoppen und Handeln und Kontakt zu einheimischen Händlern steht, der ist hier genau richtig! Nach den anstrengenden Besichtigungen haben wir uns hier köstlich amüsiert und ein bisschen erholt. Okay, Souvenirs haben wir auch eingekauft.
Zum Abschluss besuchen wir noch einen Juwelier mit einer kleinen Edelsteinschleiferei. Schon interessant, wie und unter welchen Bedingungen hier in Handarbeit echte Unikate hergestellt werden.
Und natürlich müssen die Waren auch transportiert werden. Am besten mit einem hochmodernen Lastenfahrrad …
Apropos Transporte. Ich habe nirgendwo anders auf unserer Reise Transportmittel mit so großen Aufnahmekapazitäten gesehen.
ÖPNV mit Klimaanlage
Am Abend wollen wir uns wirklich etwas Gutes tun und haben eine ayurvedische Ganzkörperölmassage in einem Ayurveda-Institut gebucht. Wir dachten, das bringt uns wieder auf die Beine. Was soll ich sagen: Die Massage dauerte die versprochenen 65 Minuten, es wurde viel Öl benutzt, wir hoffen, die Massage hat wenigstens nicht geschadet, aber was immer es war, es war mit Sicherheit keine Abhyanga. Und wohler gefühlt haben wir uns danach auch nicht.
Auf dem Weg zu unserem Hotel geraten wir dann noch in eine wahre Hochzeitsparade. Von allen Seiten stürmen Hochzeitsmärsche auf uns zu und wir sind plötzlich regelrecht umzingelt. Natürlich werden wir wieder aufgefordert mitzutanzen, aber so von Kopf bis Fuß eingeölt wie wir noch sind, hätten wir uns zwischen all diese schönen Menschen kaum wohlgefühlt.
Da es in unserem Hotel keinen Tropfen Alkohol gibt, können wir den Vorurteilen der Inder gegenüber Westlern („alles Alkoholiker“) mal wieder nicht gerecht werden und entspannen bei einem Masala-Tee im Hotelgarten.
Alt werden wir an diesem Abend nicht. Morgen steht uns wieder eine lange Autofahrt bevor. Es geht nach Agra und zum Taj Mahal, der letzten Station vor unserer Rückkehr nach Neu-Delhi.