Februar 2011
Nach Ranakpur fahren wir unserer Basis für die nächsten eineinhalb Tage entgegen: Udaipur, die angeblich schönste Stadt in Rajasthan.
Doch bis wir die 9 Stunden Fahrt hinter uns gebracht haben werden, machen wir noch drei Zwischenstopps. Das erste Mal hält unser Fahrer rund 30 km hinter Ranakpur mitten auf der Straße an. Unser Guide Veer steigt aus, öffnet den Kofferraum und kommt mit einem Sack Bananen zurück. Kaum ist der Sack geöffnet, sind wir von Affen umringt. Anscheinend kennen sie dieses Ritual schon. Veer erklärt, dass er sie immer füttere, wenn er diese Strecke fahre. Es ist unglaublich, wo diese Affen überall herkamen – sie fielen förmlich aus den Bäumen, kamen die Abhänge herauf- und heruntergesprungen und in kürzester Zeit waren wir beliebte Mitglieder einer Affenherde.
Es war schon interessant, ihr unterschiedliches Verhalten zu beobachten. Einige warteten ganz gelassen mit ausgestreckter Hand, dass sie eine Banane bekamen, andere versuchten, uns die Bananen aus der Hand zu reißen, wieder andere bettelten regelrecht und versuchten, an meiner Freundin hochzuklettern. Wieder andere griffen nach einer Banane und verschwanden an einen ruhigen Platz.
Den zweiten Stopp legen wir an einem freien Feld ein. Hier sehen wir, wie ein Bauer seine Felder bewässert bzw. einen künstlich angelegten Bach mit Wasser versorgt. Es gibt einen ziemlich tiefen Brunnen, auf dessen Rand ein Rad befestigt ist, über das eine lange Kette geführt wird, die mit rund 30 kleinen Eimerchen bestückt ist. Um das Rad anzutreiben, führt der Bauer Stunden um Stunden eine Kuh im Kreis herum, die das Rad in Bewegung setzt. Die Eimerchen tauchen ins Wasser, kommen gefüllt hoch und entleeren sich in einen Trog, der wiederum an einem Ende offen ist, so dass das Wasser sich in den Bach entleeren kann. Der Bach bewässert sein kleines Feld, auf dem im Grunde alles angebaut wird, was der Bauer und seine Familie zum Leben brauchen. Außerdem dient der Bach den umliegenden Familien als Wasserstelle, wo die Frauen Trinkwasser in große Gefäße abfüllen, die sie auf ihrem Kopf nach Hause tragen. Sisyphos lässt grüßen!
Der letzte Halt ist auf freier Strecke zwischen Jodhpur und Udaipur. Hier gibt es zwei Bäume mit ganz besonderen Früchten: Von weitem ist nichts zu erkennen, außer schwarzen Trauben, die hoch oben im Baum hängen. Erst beim Näherkommen erkennt man, dass diese Trauben leben: Es sind Fledertiere!
Von dort aus geht es dann aber geradewegs nach Udaipur.
Als wir ankommen, ist es schon dunkel. Der erste Eindruck: quirlig, lebhaft, verkehrsreich, laut – eben eine Großstadt und trotzdem nicht mit unseren Maßstäben zu messen.
Wir sind spät dran und Veer erklärt, dass uns noch eine letzte Veranstaltung des Tages bevorsteht, wir aber keine Zeit mehr hätten, vorher ins Hotel zu fahren. Also lässt uns der Fahrer an einer Straßenecke unter dem obligatorischen Hupkonzert aussteigen und wir eilen zu unserem Zielort, während der Fahrer unser Gepäck zum Hotel bringt. Die Gassen sind eng und mit all dem Verkehr ist das Vorwärtskommen nicht so einfach. Aber nach einem kurzen Fußweg haben wir es geschafft: Wir sind im Museum, unser Guide besorgt die Eintrittskarten und treibt uns dann wieder an: Schnell, schnell, sonst bekommen wir keinen Platz mehr. Wir überwinden eine enge Treppe mit Stufen, die für einen Riesen kein Problem gewesen wären, für uns Europäer aber schon eine Herausforderung sind. Die Treppe führt auf einen Innenhof, der bis auf eine Art Bühne mit Teppichen und Decken ausgelegt ist, auf denen schon einige Zuschauer Platz genommen haben.
Kurz darauf beginnt auch schon die Vorstellung. Eine Moderatorin erklärt, dass Mitglieder der Kunstakademie einige folkloristische Darbietungen zeigen und wünscht viel Vergnügen – und das hatten wir!
Wir wurden von Sängern, Tänzerinnen, einem Puppenspieler, einer Musikgruppe bestehend aus drei Frauen, die ihre Musikinstrumente, nämlich Zimbeln, an ihrer Kleidung befestigt hatten, und mit diesen sowie Armbändern und Fußkettchen ein Musikstück aufführten, gut unterhalten.
Auch die Tanzeinlage zweier jüngerer Mädchen, die mit brennenden Öllampen auf dem Kopf wirklich erstaunliche Bewegungen vollführen konnten, war sehenswert.
Nach der Vorstellung bekamen wir auf dem Fußweg einen kleinen Eindruck der näheren Umgebung. Geschäfte über Geschäfte, sogar eine deutsche Bäckerei, eine französische Patisserie, medizinische Anwendungen, Andenkenläden, Restaurants und Hotels aller Preisklassen.
Im Hotel angekommen, der nächste „Schock“: Unsere Zimmer (Flur, Bad, Salon, Schlafzimmer mit Sitzecke) befinden sich im 2. Stock und die Treppenstufen dahin waren fast noch höher (und der Gang noch enger) als im Museum.
Das Restaurant befindet sich weitere zwei Etagen höher. Es ist eine Dachterrasse und wir trauen unseren Augen kaum, als wir dort ankommen (sogar fast ohne uns zu verlaufen – das ist in diesem Hotel nämlich leicht möglich, so verwinkelt ist es). Mittlerweile ist es stockdunkel, aber wir sehen, dass das Hotel direkt am Ufer eines Sees steht. Auf der gegenüberliegenden Seite beleuchten zahlreiche Paläste (alles Hotels, wie wir am anderen Tag erfuhren) das Seeufer, auf dem See kreuzen kleinere Schiffe, über uns der sternenklare Himmel … perfekt um abzuschalten.
Am nächsten Morgen zeigt sich uns der See in voller Pracht. Wir können uns gar nicht satt sehen an all der Schönheit. Die wundervollen Häuser, der spiegelglatte See, am Horizont Berge und hinter uns offensichtlich ein großer Palast.
Als Veer uns abholt, fragen wir ihn, warum die Stufen denn so hoch und die Aufgänge so eng sind. Die Erklärung ist einleuchtend: Das Hotel – wie viele andere Gebäude auch – stammte aus einer Zeit, in der kriegerische Überfälle seitens der Mogule (oder, wie er es aussprach, der Muggels) an der Tagesordnung waren. Um sie bei einem Angriff daran zu hindern, zu schnell oder auf ihren Pferden anzugreifen, hat man sich auf diese wirkungsvolle Bauweise versteift. Wie wir bald feststellen durften, gibt es in Udaipur fast nur alte Häuser …
Das erste Ziel dieses Tages ist der relativ kleine Jadish-Tempel in der Altstadt, der eine schwarze Vishnu-Statue beherbergt. Auch für diesen Tempel wurde Marmor verwendet (denn Marmor ist der reinste Stein) und er zeigt die typischen Merkmale aller Tempel. Die unteren Teile des Baus zieren Drachen und andere Bestien, um das Böse fernzuhalten. Darüber kommen die Soldaten Gottes, die die Feinde in die Flucht schlagen sollen. Als nächstes folgen die Tänzer. Das Besondere hier ist, dass dieser Tempel von den Gläubigen frequentiert wird, die sich auch durch die umherlaufenden Touristen in ihrer Zeremonie nicht stören lassen. Mehrere ältere Frauen und Männer sitzen auf Decken inmitten des Tempels und chanten. Um sie nicht zu stören, haben wir aufs Fotografieren verzichtet.
Von dort aus geht es weiter zum City Palace von Udaipur, einem wahrlich imposanten Gebäude, das eine Länge von über 500 m hat und sich oberhalb des Sees erstreckt. Während der zweistündigen Tour durch den Palast erfahren wir von unserem Palastguide sehr viel über die königliche Familie, die immer noch einen Teil des Palastes bewohnt, alle 73 Vorgänger des jetzigen Maharadschas und natürlich über die wechselhafte Geschichte des Palastes und des Landes – in allen blutigen Einzelheiten und mit Jahreszahlen. Wir sehen Elefantenkampfplätze und Elefantenparkplätze – was es nicht alles gibt …
Eine Luftaufnahme des gesamten Komplexes
Auch hier im Palast begegneten wir wieder den engen Treppenhäusern und hohen Stufen. Und natürlich spielt auch hier wieder die Religion eine große Rolle: Den Palast betritt man durch drei nebeneinander angeordnete Portale. Sie symbolisieren die drei wichtigsten Götter im Hinduismus: Ganesha, Vishnu und Krishna.
An den Eingängen zu den einzelnen Gebäuden finden sich sehr schön gemalte Pferde und Elefanten.
Unser Guide bemerkt unsere Blicke und erklärt auch gleich, was es damit auf sich hat. Diese Malereien an Eingangstüren sind nichts als ein Wandschmuck, aber die Tiere haben natürlich eine Bedeutung. Das Pferd steht für Stärke, der Elefant steht für Glück und das Kamel, das im Süden eher anzutreffen ist, steht für Liebe.
Noch ein paar Eindrücke aus dem Palast.
Und noch etwas haben wir gelernt: Es gab zahlreiche kinderlose Maharadschas, die zur Sicherung ihrer Nachfolge die Söhne ihrer Brüder oder anderer naher Verwandter adoptiert haben. Aber auch in kinderlosen Ehen stand im Frauengemach eine Wiege, in der Krishna als Kinderersatz verehrt wurde.
Vom Palast aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf Udaipur.
Man merkt sehr deutlich, dass Udaipur schon eine der größeren Touristenstädte ist. Die hier angebotenen Waren sind teurer als zuvor in Jodhpur, man kann in Euro und Dollar bezahlen, die Händler sind aggressiver.
Am Nachmittag wollen wir einfach nur noch relaxen. Das Programm schlaucht uns doch ziemlich. Zum Abendessen will uns unser Guide in ein besonderes Restaurant führen – und dafür müssen wir mit einem Tuktuk fahren. Eigentlich hatte ich schon in Delhi gesagt, dass ich mit diesem Teil nicht fahren möchte – aber Udaipur ist nicht Delhi, der Verkehr ist wesentlich ruhiger, dafür die Gassen noch enger. Was soll ich sagen … es war ein Erlebnis. Nicht nur das Tuktuk-Fahren, sondern der ganze Abend.
Wir fuhren stadtauswärts in eine, wie wir sagen würden, recht finstere Gegend. Irgendwo in einer unbeleuchteten Gasse hielt der Fahrer an. Wir standen vor einem ziemlich nichtssagenden Haus, aber als unser Guide die Tür öffnete, glaubten wir uns wieder in einen Palast versetzt. Marmorstufen führten in die obere Etage, in der sich die Rezeption dieses Hotels und ein Restaurant befanden. Eine Etage höher befand sich ein weiteres Restaurant in einem kleinen Saal mit Panoramafenster. Da aber die Nacht so schön und angenehm war, gingen wir noch eine Etage höher auf das Dach, wo weitere Tische standen. Von hier aus hatten wir einen traumhaften Blick über Udaipur.
Auf der Dachterrasse gab es kein elektrisches Licht, also speisten wir im Kerzenschein und Sternenglanz (und das Essen war, wie immer in all den Tagen, sehr gut, wenn auch wieder einmal höllisch scharf) und betrachteten die Stadt. Etliche Häuser waren mit Leuchtgirlanden geschmückt und wir wollten natürlich wissen, warum. Veer erklärte, dass in diesen Häusern Hochzeiten stattfinden. Wir waren erstaunt, dass so viele Paare gleichzeitig heiraten, aber Veer meinte, dass sei völlig normal, denn vor einer Hochzeit würden Astrologen befragt, wann der beste Zeitpunkt ist, und im Augenblick haben Eheschließungen Hochkonjunktur, zumal mehrere Monate im Jahr (von November bis Ende Januar) aus religiösen Gründen (da war es wieder) keine Hochzeiten stattfinden. Und während wir noch darüber diskutierten, ob das sinnvoll sei und ob wir persönlich an Horoskope glauben oder nicht, erschallte plötzlich ein „allahu akbar“. Veer hat unseren fragenden Blick gleich richtig gedeutet und erklärt, dass es sehr viele Muslime und somit auch Moscheen in Udaipur gebe. Und tatsächlich – mit einigen Minuten Unterschied erklang der Gebetsruf aus allen Himmelsrichtungen.
Währenddessen hatten sich zahlreiche Hochzeitsmärsche auf den Weg gemacht und bildeten mit ihren Kapellen und deren unterschiedlicher Musik eine ziemlich heftige Geräuschkulisse. Hochzeitsmärsche sind übrigens der Auftakt zur Hochzeitsfeier. Der in Landestracht herausgeputzte Bräutigam sitzt auf einem prachtvoll geschmückten Pferd und reitet in Begleitung der eigenen und zukünftigen Verwandten zu seiner Braut. Begleitet wird der Zug vorne und hinten von zwei Fahrzeugen, die für die Beleuchtung sorgen, das heißt, sie liefern Strom für die mitgeführten Lampen, die zwischen den Fahrzeugen rechts und links an Elektrokabeln hängen. Die Festgemeinde läuft und tanzt praktischen zwischen diesen zwischen den Fahrzeugen befestigten Leuchtgirlanden. Vorne weg marschiert die Kapelle. Wie schade, dass weder mein Handy noch meine Kamera für Nachtaufnahmen geeignet sind.
Nach unserem Mahl setzt unser Guide uns wieder in ein Tuktuk und trägt dem Fahrer auf, an einem Hochzeitszug anzuhalten, damit wir Fotos machen können. Unser Fahrer fährt uns aber direkt zu einem Hochzeitsplatz und fordert uns auf, uns unter die Feiernden zu mischen. Wir fotografierten das Hochzeitspaar, aber der Aufforderung unseres Fahrers, uns zum Hochzeitspaar, das auf einer Bühne saß, zu gesellen, sind wir nicht nachgekommen. Wir hätten uns in unserer Kleidung auch völlig fehl am Platz gefühlt zwischen all den wunderschön gekleideten Menschen. Auch einige der Feiernden luden uns ein, an der Feier teilzunehmen, aber wir haben es vorgezogen, nach Hause zu fahren. Auf diese Situation waren wir einfach nicht vorbereitet. Wie wir später erfahren haben, hätten wir unbedingt dort bleiben sollen, denn für das Brautpaar wäre das eine besondere Segnung gewesen.
So aber fuhren wir zurück in unser Hotel, packten unseren Koffer und verbrachten unsere letzte Nacht am See. Für den nächsten Tag steht uns wieder ein langer Weg bevor.
sehr schöne Erinnerungen!!!
für dich ,denke ich mal!!!
ja dieses Indien.
gestern hatte der sohn meiner freundin geheiratet in auroville.. möchtest du bilder sehe
liebe grüße an dich und danke dagr das du mich ,und andere an deine fahrten teilhaben läßt Danke!