Eine Zeitreise durch das Leben eines legendären Pharaos
In Köln kann man sich gerade in eine Zeit versetzen lassen, die unfassbar fern ist und für mein Zeitempfinden geradezu unwirklich anmutet. Also mache ich mich auf den Weg und bin sehr gespannt, was mich wohl erwartet!
Was soll ich sagen? Diese Ausstellung ist einfach ein Erlebnis! Wer – wie ich – nicht viel über das Ägypten der damaligen Zeit weiß, wird mit einem wahren Schatz an Wissen nach Hause gehen. Und wer schon alles weiß, wird sich über die Art und Weise freuen, wie dieses Wissen präsentiert wird.
Schon am Eingang wird der Besucher von überaus freundlichen Mitarbeitern empfangen, die in den Aufbau der Ausstellung einführen. Dann erhält man einen Audio-Guide, der sehr ausführlich die einzelnen Ausstellungsstücke erklärt – und das nicht lehrerhaft, sondern in Form eines lebhaften Gesprächs zwischen einem Mann und einer Frau (deren Namen ich zu gerne erfahren hätte, denn die beiden machen das wirklich sehr gut).
Außerdem gibt es ein Kino, in dem ein kurzweiliger Film über die Ausgrabungen gezeigt wird, und natürlich einen Raum mit immersiven Bildern des Grabes, zum Aufbaus des Sarkophags usw.
Natürlich erfahren wir hier auch viel über das Leben des Entdecker des Grabes, Howard Carter, wie er auf die Idee kam, danach zu suchen, und welche Hindernisse er zu überwinden hatte. Zu unserem Glück hat er sich nicht entmutigen lassen.
Als Erstes aber trifft der Besucher auf den Stein von Rosetta, der 1799 von napoleonischen Truppen im Nildelta gefunden wurde.
Knapp 30 Jahre später gelang es Jean-François Champollion dann endlich, die Hieroglyphen zu übersetzen. Hilfreich war, dass die drei Texte auf dem Stein gleichlautend waren, nur in anderen Schriften abgefasst, nämlich ägyptisch-hieroglyphisch, spätägyptisch-demotisch und griechisch. Und natürlich war der griechische Text dann maßgeblich für die Übersetzung des ägyptischen Textes und darauf folgend das Verstehen der Hieroglyphen.
Weiter geht es in der Geschichte der damaligen Zeit. Aufstieg und Niedergang der Pharaonen der 17. und 18. Dynastie, die das Land über 250 Jahre beherrschten. Tutanchamun, Sohn von Echnaton, bestieg den Thron noch minderjährig im Jahr 1333 v. Chr. und verstarb mit gerade einmal 18 Jahren 1323 v. Chr. Unklar ist bis heute, woran er starb.
Klar ist aber, dass der Nachfolger von Tutanchamun verzweifelt und erfolglos versuchte, ihn aus dem Gedächtnis der Menschen auszulöschen. Man fand eine Statue, auf deren Vorderseite ein Namen nicht besonders gekonnt übermeißelt worden war, auf der Rückseite jedoch der Name Tutanchamuns verewigt war. Wahrscheinlich stand die Statue an einer Mauer und niemand ist auf die Idee gekommen, sie wegzurücken.
Wir können uns nun hier an den Nachbildungen der Grabbeigaben erfreuen. Es ist kaum zu glauben, dass Menschen vor über 3000 Jahren diese wunderbaren Schmuckstücke, Masken und Büsten erschaffen haben.
Natürlich erfahren wir auch viel über das Tal der Könige. Es wird vermutet, dass Königin Hatschepsut um 1470 v. Chr. dort das erste Grab anlegen ließ. Rund 400 Jahre wurden hier nur Pharaonen oder verdiente Beamte sowie königliche Ammen begraben. Die Gräber wurden immer in demselben Stil aufgebaut.
Tutanchamuns Grabkammern können hier in einer orginalgetreuen Nachbildung bestaunt werden. Sie sind so, wie Howard Carter sie beim Öffnen vorgefunden hat.
Die Vorkammer
Man vermutet, dass bereits vor dem Verschließen des Grabes Grabräuber am Werk waren, diese aber gestört worden waren, ehe sie noch mehr Schaden anrichten konnten. Ein Indiz ist der zerstörte Streitwagen.
Und wir erfahren, welche Bedeutung die einzelnen Gegenstände haben, aber das alles hier zu beschreiben, würde wirklich den Rahmen sprengen.
Was hochinteressant ist – und mir gar nicht so bewusst war -, ist, dass der Sarkophag praktisch aus vier Umhüllungen besteht, die um die Mumie herum aufgebaut werden. Hier ist der äußere Schrein in Originalgröße. Auf dem Boden sieht man aufgemalt die Umrisse der anderen drei Schreine sowie die Lage der Mumie.
Der Innensarg besteht aus purem Gold und wiegt 110 kg. Dargestellt ist der in ein Federkleid gehüllte König mit geflochtenem Götterbart, Zeptern und Königskopftuch.
Und dann stehen wir schließlich vor der (Nachbildung der) Mumie Tutanchamuns.
Die über seinen Kopf gestülpte Goldmaske wiegt 11 kg und ist nach Meinung aller Experten das Herzstück des gesamtes Schatzes.
Wir erfahren sehr viel über das Verfahren der insgesamt 70 Tage dauernden Einbalsamierung, die Entnahme der Organe, ihre Aufbewahrung und das Leben der Verstorbenen nach dem Tod.
Die Ägypter wussten zwar, dass das irdische Leben beendet war, aber das geistige Leben ging weiter wie bisher. Wenn der Verstorbene im wahren Leben Pflichten hatte, dann musste er sie auch nach seinem Tod noch erfüllen.
Aber man war ja nicht umsonst Pharao. Man hatte im Leben seine Diener und so auch nach dem Tod. Daher wurden den Pharaonen sogenannte Uschebti mit ins Grab gegeben. Diese sollten den Verstorbenen im Jenseits alle unangenehmen Arbeiten auf den Feldern in der Unterwelt abnehmen. Tutanchamun bekam 413 Uschebtis mit ins Grab gelegt (üblich waren eher zwei) – einen für jeden Tag des Jahres, 36 Aufseher für die Dekaden und 12 Oberaufseher für die Monate.
Und auf diesem Thron residierte der jugendliche König, der schon in der Blüte seiner Jugend starb.
Doch damit jetzt genug. Ich könnte noch seitenlang über die erzählte Geschichte dieser mystischen Zeit schreiben. Stattdessen lautet meine klare Empfehlung: Fahrt nach Köln und besucht die Ausstellung. Ihr werdet es nicht bereuen!
Mir stellt sich nur noch eine Frage: Wie komme ich jetzt schnellstens nach Ägypten, um mir das neue Nationalmuseum anzusehen und mich vom Tal der Könige verzaubern zu lassen?
Zum Abschluss eine Gesichtsrekonstruktion, die zeigt, wie der junge Pharao ausgesehen haben könnte.