Eine neue wunderbare Ausstellung im Gasometer Oberhausen

Wer schon mal im Gasometer in Oberhausen war, weiß, wie fantastisch die Ausstellungen hier kuratiert sind.

Seit fast 30 Jahren ist dieses Denkmal der Industriekultur (gebaut in den 1920er Jahren) Schauplatz sehr sehenswerter Darbietungen.

Die jetzige Ausstellung widmet sich unseren Meeren und entführt uns in die Schönheit dieses faszinierenden Ökosystems.

Wie eigentlich immer finden wir auch hier im Parterre wundervolle Fotos von den Bewohnern der Weltmeere – und ich muss ehrlich sagen, von manchen wusste ich nicht einmal, dass es sie gibt. Die Bilder sind von hervorragender Qualität und teilweise herzerwärmend. Manche der Meeresbewohner möchte man geradezu adoptieren.

Am Eingang erwartet den Besucher aber zunächst das Skelett eines Entenwals, der 1877 in der Nähe von Stralsund strandete und stattliche 9,40 m lang war. 

Wer möchte nicht mit ihnen spielen
Wobei dieses Exemplar eines Viperfischs eher nicht zu den niedlichen Bewohner zählt.
Und auch mit diesen beiden Kampfhähnen – japanische Schleimfische – ist wohl eher nicht gut Kirschen essen.
Dagegen sieht dieses Exemplar – ebenfalls ein japanischer Schleimfisch – schon wesentlich friedlicher aus.
Hübsch ist sie nicht, diese Haushaltshilfe des Meeres, die wie ein Staubsauger über den Meeresboden fegt. Es ist ein Dugong, eine Seekuh.

Zwei Meerechsen, die sich auf einem Lavafelsen der Galapagos-Inseln aufwärmen. Auch wenn sie nicht so aussehen: Sie sind völlig harmlos.

Und noch ein kurioses Bild: Hier tanzt eine Garnele einem Schlangenaal auf der Nase bzw. auf dem Kopf.  Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen, denn Garnelen gehören zur bevorzugten Beute der Aale. 

Ein ganz fantastisches Foto, das man vermutlich gar nicht für ein Foto hält, zeigt Mangrovenwälder, die sich in der lauen Abendluft wiegen. Sie stehen am Walakiri Strand von Ost Sumba in Indonesien. Das preisgekrönte Bild von Harry Pieters ist ein Symbol für die zerbrechliche Schönheit der Mangrovenwälder.

In der zweiten Etage dann wird dem Besucher drastisch gezeigt, was wir Menschen diesem Ökosystem und seinen tierischen und menschlichen Bewohnern antun. Dass dem Besucher hier manchmal das Herz schwer wird, ist wohl gewollt. Doch ist es wichtig, dass uns auch diese Kehrseite eindringlich vor Augen geführt wird. Es lässt sich wahrlich nicht leugnen: Ein Umdenken ist mehr als notwendig.

Mehr eine Touristenattraktion denn eine ungewöhnliche Fangmethode. Der Tsunami 2004 hat dazu geführt, dass der Verlauf der Südküste Sri Lankas sich völlig verändert hat und auch deutlich weniger Fische vorhanden sind.

Gefrorener Thunfisch auf dem Fischmarkt in Tokio. Für die Händler sind die abgetrennten Schwanzenden ein Indiz für die Frische und Qualität der Tiere.

Noch schlimmer ist das nächste Foto: Tausende gefrorene Haifischflossen auf dem Fischmarkt in Taiwan. Rund 73 Millionen Haie werden jährlich allein wegen ihrer Flossen getötet. Und damit sich der Fang für die Fischer lohnt (und die Boote nicht das ganze Gewicht der Haie tragen müssen) , werden die Flossen direkt abgeschnitten und die lebenden Tiere wieder ins Meer geworfen, wo sie langsam und qualvoll verenden. Geht es noch perverser? Und alles im Namen des Profits.

Die beiden nächsten Bilder sprechen für sich.

Doch nicht nur für die Meeresbewohner ist die rücksichtslose Fischerei ein Problem, der Klimawandel sorgt ebenfalls dafür, dass es den Menschen in diesen Regionen immer schlechter geht.

Die Marshallinseln spüren die Auswirkungen ganz besonders. Flutwellen häufen sich, die Inseln werden teilweise zweimal im Monat überspült und die Landmasse verringert sich immer weiter. Der Friedhof von Jenrol in der Hauptstadt Majuro ist bereits fast gänzlich im Meer versunken. Fachleuten zufolge könnten die Marshallinseln bis Mitte dieses Jahrhunderts vollständig unbewohnbar sein, wenn nicht gar verschwunden.

So unversöhnlich und schrecklich diese Bilder auch sind, es gibt auch Hoffnung – oder besser gesagt, es gibt noch Menschen, die die Hoffnung nicht aufgeben.

Im seichten Schlick an der Pazifikküste Kiribatis nutzt diese Bewohnerin die Ebbe, um kleine Mangrovenpflanzen zu pflegen, die sie vor Kurzem angepflanzt hat. Sie hofft, dass diese Bäumchen später einen Schutzwall gegen die Erosion der Küste bilden. Es dürfte 20 bis 30 Jahre dauern, bis hier ein dichter Mangrovenwald entsteht, und diese Frau weiß, dass sie das wahrscheinlich nicht mehr erleben wird. Spätere Generationen aber werden ihr für diese Arbeit danken.

Die Kuppel des Gasometers beherbergt in jeder Ausstellung eine Besonderheit. Dieses Mal ist es eine 40 Meter hohe und 18 Meter breite Leinwand in Wellenform für eine animierte Unterwasserwelt. Dem Besucher soll das Gefühl vermittelt werden, sich unter Wasser zu befinden. 

Sehenswert – oder besser gesagt: hörenswert – ist das im Erdgeschoss gelegene Raumobjekt „Klang der Tiefe“. Hier taucht der Besucher in die Klangwelten der Ozeane ein. Eine Geräuschreise durch die Nordsee bis zum Pazifik.

 Was mir generell gut an den Ausstellungen im Gasometer gefällt, ist, dass es zu jedem Bild sehr viele Informationen gibt. Nicht nur, wer das Foto geschossen hat, sondern teilweise auch, wie es entstanden ist. Informationen zum Leben der Meeresbewohner fehlen ebenfalls nicht. Dieses Wissen wird auf mehr oder weniger großen Tafeln bereitgestellt, und da ich sie tatsächlich alle lesen möchte und meistens auch lese, dauert so ein Besuch schon mal etwas länger – sehr zum Leidwesen meiner Begleitung. Also ich finde, man sollte für einen Besuch im Gasometer genug Zeit einplanen.

Kurz am Rande erwähnt: Ich habe hier bereits die allererste Ausstellung (Feuer und Flamme) besucht und war damals schon tief beeindruckt, wie man dieses Industriedenkmal belebt hat. Wer nach der Ausstellung noch Zeit und Lust hat, sollte sich auch den Aufstieg auf das Dach des Gasometers nicht versagen. Bei schönem Wetter hat man einen fantastischen Ausblick!

Die Ausstellung „Planet Ozean“ ist noch bis Ende November zu sehen.

Im kommenden Jahr heißt das Thema „Mythos Wald“ und ich freue mich schon darauf. Es hat bis jetzt noch keine Ausstellung gegeben, aus der ich enttäuscht nach Hause gegangen wäre.