Februar 2011
Vor uns liegen wieder einmal etliche Autostunden, bis wir endlich unser vorletztes Ziel erreichen sollen: Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans
Vor der Abfahrt aus Udaipur gönnen wir uns noch eine kleine Bootstour auf „unserem“ See, dem Pichhola-See, um das traumhaft schöne Panorama in voller Größe vom See aus zu sehen. Interessanterweise handelt es sich nicht um einen natürlichen See, sondern er wurde 1362 durch den Bau eines Damms geschaffen und damit fast 200 Jahre vor der Gründung Udaipurs!
Es ist erst 10:00 h, aber die Sonne verspricht schon einen heißen Tag
Nach diesem entspannten Tagesbeginn führt uns unser Weg über Kailashpuri zu den Sas Bahu- oder auch Nagda-Tempelanlagen. Diese recht großenTempelruinen aus dem 11. Jahrhundert liegen vom Tourismus kaum beachtet in einer malerischen Landschaft. Außer uns sind nur sehr wenige Besucher da und wir können diese Kulturstätte in Ruhe genießen.
Unser Guide hat auch hier wieder viel zu erzählen. Er macht uns insbesondere auf Skulpturen aus dem Kamasutra aufmerksam und quittiert unser Grinsen mit einem Schulterzucken. Irgendwo müssten die jungen Männer ja lernen, wie es geht.
Weiter geht es nach Chittorgarh, dem ältesten Siedlungsgelände der Rajputen, das auf einem Hochplateau gelegen ist. Die Stadt selbst stammt aus dem Jahr 728 und wurde im 12. Jahrhundert zur Hauptstadt Rajasthans erklärt. Das Städtchen ist lebhaft und quirlig und die Anlagen werden von vielen hauptsächlich asiatischen und einheimischen Touristen besucht.
Die Altstadt innerhalb der Stadtmauern und der Palast sind so groß, dass wir nur ein paar der wichtigsten Anlagen besuchen. Dreimal wurde der Palast von muslimischen Heeren überfallen und viele der Frauen und Kinder begingen kollektiven Selbstmord auf dem Scheiterhaufen, um den Eroberern nicht in die Hände zu fallen. Die Männer zogen in den Kampf und starben heldenhaft auf dem Schlachtfeld. Wegen dieser Taten wird Chittorgarh auch Stadt des Mutes genannt.
Eine besondere Attraktion ist der 9 Stockwerke hohe Vijay Stampha, der Siegesturm. Rana Kumbha ließ hier im 15. Jahrhundert für jeden Sieg, den er davontrug, ein Stockwerk anlegen.
Und natürlich dürfen auch hier die Affen nicht fehlen.
Nach dem Mittagessen geht es nun auf die Autobahn. Wir fahren endlose Stunden durch eine ständig wechselnde Landschaft. Felder mit sattgrünem Gras und vereinzelten Bauernhäusern wechseln mit kargen Steppen, auf denen halb verhungerte Ziegen grasen. Und überall Autos, überfüllte Busse, LKW, Tuktuks, Radfahrer, Fußgänger, Hunde und Kühe – ja, selbst auf dem Highway! Einige Bilder sind aus dem fahrenden Auto heraus gemacht, deswegen ist die Qualität nicht so besonders, aber ich denke, man erkennt das Gewusel.
Ein kleiner Abstecher bringt uns zu einem lizenzierten Opiumfeld. Die britische Regierung erteilte zu Zeiten ihrer Herrschaft über Indien noch heute gültige Lizenzen zum Anbau von Opium für medizinische Zwecke. Die Größe dieser Felder ist genau festgelegt und darf nicht verändert werden.
Nach 6 Stunden Fahrt kommen wir endlich in Jaipur an. Beim Anblick unseres Hotels stockt uns mal wieder fast der Atem – es ist wie aus 1001 Nacht. Aber wir sind einfach zu müde, um uns noch lange mit Staunen aufzuhalten. Das muss bis morgen warten. Und unser Nachtlager ist wirklich sehr einladend.