Kein Thema für schwache Nerven
Die Ruhrfestspiele zeigten heute und noch bis zum 01.06.2026 das Theaterstück „Trophäe“ nach dem gleichnamigen Roman von Gaea Schoeters.
Allein beim Lesen des Klappentextes stellen sich mir die Nackenhaare auf.
Die Handlung
Hunter White, passionierter Jäger mit Schwerpunkt die „Big Five“ bekommt über einen Freund die Möglichkeit, endlich sein fünftes Tier, ein Nashorn, in Afrika zu schießen. Allerdings kommen ihm Wilderer zuvor und aus ist der Traum. Aber White sinnt auf Rache und sein Freund bietet ihm eine Ersatztrophäe an: die Jagd auf einen Menschen.
Ich habe lange überlegt, ob ich mir diese Vorstellung ansehen möchte. Einerseits ist die Vorstellung, Jagd auf einen Menschen zu machen, so völlig absurd und jenseits jeglicher Menschlichkeit.
Auf der anderen Seite: Sehen wir nicht genau das jeden Tag? In jedem Krieg? Bei jeder neuen Horrornachricht, dass wieder jemand umgebracht wurde? Gut, im Krieg sehen die meisten Soldaten ihr Opfer nicht von Angesicht zu Angesicht, aber das Ergebnis bleibt. Der Mensch tötet einen Menschen.
Warum ich mir letztendlich doch die Vorstellung angesehen habe, war erstens Neugier, wie dieses brisante Thema auf der Bühne umgesetzt wird, und vielleicht auch ein bisschen das Gruseln, das wir doch irgendwie alle mögen.
Die Inszenierung
Vorab: Es gab nichts zum Gruseln. Es war vielleicht eher wie eine Dichterlesung unter der Regie von Roger Vontobel, vorgetragen von drei Schauspielerinnen (June Ellys Mach, Susanne-Marie Wrage und Patrycia Ziólkowska), mal einzeln, mal synchron. Mal als Erzählerinnen, mal als Protagonisten. Teilweise erinnerte es auch an eine Berichterstattung, unterbrochen von Fakten (der Roman ist ja nicht nur reine Fiktion). Nicht zu vergessen die musikalische Untermalung.
Ob der Jäger nun tatsächlich einen Menschen jagt und ob er vielleicht von Gewissensbissen geplagt wird, ob er seiner gerechten Strafe entkommt oder selber zum Gejagten wird – das verrate ich nicht.
Alles in allem war es eine grandiose schauspielerische Leistung und das ernste Thema verdient auch über den Abend hinaus unsere Aufmerksamkeit.