Kirchengeschichte einmal anders

 

Der St. Paulus Dom, das eindrucksvolle Wahrzeichen von Münster, ist gerade Schauplatz eines faszinierenden Spektakels: Luminescence, bekannt in Frankreich für Lichtshows und Projektionskunst, feiert nun in Münster Deutschland-Premiere. Dafür hat sich das Unternehmen kein geringeres Objekt als den St. Paulus Dom ausgesucht.

Laut Programm erwartet den Besucher eine Reise voller Licht und Emotionen, die Entdeckung der Geschichte einer des faszinierendsten Kathedralen Deutschland, renommierte Chöre der Region, ein einzigartiges Klangerlebnis, gepaart mit einer grandiosen Lichteffekten.

Ich war dort und kann nur sagen, diese Beschreibung ist eine maßlose Untertreibung. So schnell werde ich dieses Erlebnis wohl kaum vergessen.

Aber mal von Anfang an (wobei ich gar nicht sagen kann, wo genau der Anfang ist).

Die Veranstaltung war an diesem Abend (wie an vielen anderen auch) ausverkauft. Sobald die neugierigen Besucher ihre Plätze eingenommen, der Chor sich eingerichtet hatte und der Dirigent bereit war, fing der Dom an zu erzählen.

 

Schnell waren wir ganz im Bann der Stimme des Doms, der im ersten Akt (Ein geteiltes Schicksal) von den Anfängen als Kloster, gegründet von Karl dem Großen, sprach, wie er im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet wurde, wie die Bevölkerung trotz Pest und Feuer allen Katastrophen standhielt.

Nur zur Zwischeninfo: Die Illuminationen folgen nicht der Geschichte, sondern hüllen den Dom einfach in fantastische Farbspiele, die zusammen mit dem Chor und der wunderbaren Erzählstimme des Doms eine ergreifende Einheit bilden.

Im zweiten Akt (Durch Licht und Schatten) erfahren wir von der dunklen Geschichte, als die Täufer die Statuen und die astronomische Uhr zerschlugen, die aber zum Glück 1542 wieder aufgebaut wurde und noch heute Zeit, Kalender und Feste anzeigt. Mit dem westfälischen Frieden 1648 verheißt Münster Hoffnung für Europa und mahnt gleichzeitig, dass nichts von Dauer ist.

Der dritte Akte (Ein Musikdenkmal im Wandel der Zeit) erzählt, dass bereits 797 der heilige Liudger eine Schule gründete, in der Theologie, Wissenschaften und Kirchenmusik gelehrt wurde. Sie ist eine der ältesten Schulen Europas und existiert heute noch als Gymnasium Paulinum. 

Auf dem Weg in die Ewigkeit befinden wir uns im letzten Akt. Der 2. Weltkrieg bescherte Münster schwere Zeiten. Bomben zerstörten den Dom, die Türme brennen, die Fassade stürzt ein – selbst die Glocken schmelzen. Doch nach 1945 bauen die Münsteraner den Dom mit Hingabe wieder auf und er erstrahlt wie eh und je in zeitloser Schönheit.

Das sind die trockenen Fakten. Untermalt wird die Geschichte, die übrigens ganz wunderbar von Mechthild Großmann (vielen vielleicht eher als Staatsanwältin Klemm aus dem Münsteraner Tatort bekannt) erzählt wird, die dem Dom hier ihre eingehende Stimme leiht, von fantastischen Lichteffekten, die auf den Fotos gar nicht richtig zur Geltung kommen. Der Chor ist ein weiteres Highlight mit Stücken von Bach bis Moussorgski und sorgt für ein rundum gelungenes Arrangement.

Wer Münster, den Dom, Geschichte und Musik mag, der wird hier sicher nicht enttäuscht. Bis zum 16. Januar hat man noch die Möglichkeit, dabei zu sein, aber schon jetzt sind nur noch Restplätze erhältlich.