Martin Luther King Jr. National Historical Park

Ausgeruht machen wir uns am nächsten Morgen auf die Suche nach einem guten amerikanischen Frühstück. Nach einer kleinen, teuren Irrfahrt im Taxi – wir wussten nicht, dass das von uns ausgewählte Restaurant mehrere Filialen in Atlanta hat, und der Taxifahrer beschloss, die am weitesten entfernte anzusteuern – und einem üppigen Frühstück mit Pancakes und Waffeln mit diversen Toppings war das Martin Luther King Besucherzentrum unser Ziel.

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll. Bei der Ermordung des wohl bekanntesten Vertreters der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner war ich noch keine 14 Jahre alt und, wie wohl die meisten Teenager der damaligen Zeit, eher unpolitisch. Im Geschichtsunterricht beschäftigten wir uns auch immer noch mit unserer unrühmlichen Vergangenheit als mit politischen Unruhen im fernen Amerika. In späteren Jahren gab es zwarimmer mal wieder Informationen zu diesem außergewöhnlichen Menschen und seinem Wirken, aber so richtig eingetaucht bin ich nie in diese Problematik. Das kam erst sehr viel später.

Aber es ist eine Sache, von längst vergangenen Zeiten zu hören, oder sie wie in diesem Museum anhand von Filmbeiträgen, Zeitungsausschnitten, Zeugenaussagen quasi aus erster Hand mitzuerleben. Und das war teilweise schwer zu ertragen. Dass es nicht nur mir so ging, war an den Gesichtern der zahlreichen anderen Besucher abzulesen. Und auch die Stille sprach Bände. Angesichts dieser Ungerechtigkeiten und Brutalitäten verstummte jedes Gespräch.

Aber von Anfang an …

Ganz in der Nähe des Besucherzentrum befindet sich das Wohnhaus von Martin Luther King und die Ebenezer Baptist Church, in der schon sein Vater und sogar sein Großvater gepredigt hatten. Die Kirche hätte ich mir auch gerne von innen angesehen, aber leider waren wir zu spät dort (oder zu früh). Sie war jedenfalls geschlossen.

Direkt am Eingang zum Besucherzentrum und der Ausstellung über das Leben und Wirken von Martin Luther King empfängt die Besucher eine Skulptur. Sie soll anderen eine Inspiration sein, für Würde, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte zu kämpfen. Sie stellt das alte afrikanische Ritual dar, ein Neugeborenes in den Himmel zu halten und folgende Worte zu sprechen: Behold the only thing greater than yourself (Sieh das einzige, was größer ist als du).

Anschließend betritt man den World Peace Rose Garden, einen Rosengarten, der 1992 eröffnet wurde und dessen Aufbau eine besondere symbolische Bedeutung hat. Entlang der Beete finden sich zahlreiche kleine Tafeln mit Zitaten von Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen, die hier ihre Gedanken zu Martin Luther King Jr., Coretta King, zum Zweck des Gartens und zu bestimmten Friedensaspekten niedergeschrieben haben, darunter einige sehr berührende.

Im Gebäude dann erfahren wir Vieles über den Werdegang von Dr. King. Wie schon erwähnt, sind es vor allem die bewegten Bilder, die bewegen und stumm werden lassen vor all der Gewalt und den Verhaftungen, denen MLK durch seine Aktionen ausgesetzt war. Lustig allerdings war dann die Geschichte, dass er, als er in Westberlin war, mit seiner American Express Card nach Ostberlin eingereist ist, weil die Grenzschützer dachten, das sei sein Personalausweis.

Die Rede, die er einen Tag vor seiner Ermordung gehalten hat.

Und was mir auch nie wirklich bewusst war, ist, welch großartigen Präsidenten die USA mit Jimmy Carter hatten, dem das Ende der Rassentrennung und die Einhaltung der Menschenrechte ein ernstes Anliegen waren. Den Friedensnobelpreis hat er 2002 wohl zu recht erhalten.

Gegenüber vom Besucherzentrum befindet sich die Martin Luther King Jr. Center for Nonviolent Social Change Inc., die 1968 von Coretta Scott King gegründet wurde. Als Informationszentrum und gemeinnützige Einrichtung soll hier ein lebendiges Denkmal für die sechs Prinzipien des gewaltfreien sozialen Wandels stehen, wie ihn MLK gelebt hat.

In den Außenanlagen befindet sich ein kaskadenförmig angelegtes Wasserbecken, in dessen Mitte sich die Gräber von Martin Luther und Coretta Scott King befinden.

Den Gräber gegenüber brennt die ewige Flamme.

Alles in allem ist der Besuch der Gedenkstätte einerseits sehr aufwühlend, andererseits sehr tröstlich und erweckt die Hoffnung, dass das Leben dieses Bürgerrechtlers nicht umsonst gewesen sein möge und seine Visionen von einer gerechten Welt irgendwann Realität werden.

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass wir hier waren.